Der rote Pit Der rote Pit: Meine Nachbarschaft

01.04.2017

Meine Nachbarschaft

... oder: Lästern am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen.

Links von mir wohnt Frau Schmidt. Mit ihr kommt Mutti so gut klar. Ich nicht, seid sie behauptet, dass ihr Jacobs-Kaffee viel besser schmeckt wie unser Markus-Kaffee von ALDI. Das ist ja wohl die Krönung, oder? Die Schmidt hat sich vor eine Woche endlich mal ein paar neue Schuhe gekauft. Modisch-Schick sollen die sein, behauptete die Verkäuferin und zog ihr 150 Euro aus die Tasche. Für mich sehen die Dinger allerdings wie U-Boote aus, die Deutschland mal nach Israel verkauft hat. Nur auf Größe 45 zusammengedrückt.

Gegenüber wohnt ein Zugezogener, der mal beim Schützenfest sagte, »Ey Leute, könnt ihr nich ma wat anderes machen, als wie immer auf so´n ausgestopftes Huhn zu ballern?« Großer Fehler. »Null Problemo«, meinte ein Schützenbruder, der gerade auf den Vogel zielte. Als sich die Staubwolke langsam senkte, sah man den Zugezogenen und knapp die Hälfte der Schützenfestteilnehmer in den zusammengefallenen Kulissen rumhängen und alle hatten Probleme mit den Augen und Zähnen. Wir haben nur ca. 2300 Einwohner, ohne die Flüchtlinge, aber vier Zahnärzte. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass die Schützenfeste bei uns fast immer in Massenschlägereien ausarten.

Schräg gegenüber wohnt eine Familie mit sieben Karnickel Kinder. Die müssen mit der Altersvorsorge wohl etwas falsch verstanden haben. Der Mann arbeitet wahrscheinlich beim Sperrmüll. Was die an Möbel haben, werfen andere Leute weg. Die Frau scheint ganz in Ordnung zu sein. Sie hat mir zum Geburtstag eine Flasche Whisky geschenkt. Von ALDI. Den nehme ich um die Maulwürfe zu bekämpfen. Klappt ganz gut. Die lassen sich leicht einsammeln wenn die so auf den Rücken liegen und nach Luft schnappen.

Rechts von mir wohnt eine gefährliche Konkurrenz von Mutti. Die Familie hat eine Superhausfrau. Wenn du bei denen reinkommst brauchst du eine Sonnenbrille, so glänzt das in der Wohnung. Die Möbel nur vom Allerfeinsten. Und die Küche erst. Ach was Küche! Das hat schon Ähnlichkeit mit einer Fresstempelanlage. Die sieht aus wie auf einem Kreuzfahrtschiff, und war bestimmt auch so teuer. Wenn da mal ein Ei runterfällt, kannste das unbedenklich vom Boden kratzen und in den Mund schieben. Ich glaube die Tante robbt jeden Tag über den Küchenboden und prüft mit ihre Zunge, ob alles sauber ist. Die Kinder sind wohlerzogen und sagen artig Guten Tag, wenn ich mal vorbeikomme und den Männe zur Sau mache, weil der mal wieder am Sonntag den Rasen gemäht hat.

So, das war´s im Großen und Ganzen. Die anderen kenne ich nur so vom Kopfnicken.
Ach so ja, der Herr Pfarrer. Den hätte ich beinahe vergessen. Der wohnt am Ende der Straße und grüßt nichtmal, wenn er mir über den Weg läuft. Als ich vor ein paar Jahren aus die Kirche ausgetreten bin, hat der Pinguin mir so richtig die Hölle heiß gemacht. Eine ganze Woche lang. Als ich standhaft blieb, holte er sich Verstärkung beim lieben Gott. Das kann was geben, wenn ich den Löffel abgebe und beim Teufel lande. Ich denke mal, dann müssen einige Stellen im alte Testament neu geschrieben werden.