Der rote Pit Der rote Pit: Als ich noch ein kleiner Junge war

10.03.2017

Als ich noch ein kleiner Junge war

Erinnerungen an Heimaterde

Ich erinnere mich an den Bäcker, der Brot und Brötchen verkaufte, die den Namen noch verdienten. An eine Kruste, die im Mund explodierte wenn man hineinbiss. Und wie herrlich roch es in der Backstube.

Ich erinnere mich an den Eismann, der auf seinem Dreirad ein Eis verkaufte, dessen wunderbarer Geschmack ich heute noch auf der Zunge spüre.

Ich erinnere mich an den Milchwagen, der morgens durch die Straßen fuhr und die Milch noch lose verkaufte. An Hausfrauen die mit ihren Milchkannen Schlange standen und ein Pläuschken hielten. Die Milch war so frisch, dass man glaubte, das Stampfen der Hufe von den Milchkühen zu hören.

Ich erinnere mich auch noch gut an den Klüngelskerl (Schrottsammler) mit seinem alten Lastwagen, der einmal im Monat durch unsere Straße fuhr und eine schöne Melodie auf einer Blechflöte spielte. Natürlich haben wir auch altes Eisen abgegeben. Dafür gab es ein paar Groschen, die wir sinnlos verprassten.

Ich erinnere mich an den Nikolaus in der Schule, der schon mal dafür sorgen konnte, dass man sich in die Hose scheißt. Und wenn er das dicke Buch auf den Tisch knallte, war ich tatsächlich in dem Glauben da stehen alle meine Untaten drin. Heute lachen sich die Kiddis halbtot wenn der Typ auftaucht, "HOHOHO" brüllt und sein Buch aufschlägt. Da fragt sich schon der eine oder andere, ob der Alte noch alle Tassen im Schrank hat, und hat der noch nie etwas von einem Smartphone gehört? Auf die Speicherkarte passen dutzende dicke Bücher drauf und passt bequem in die Hosentasche.

Ich erinnere mich an Fritzchen, der durch die Lehrerin ein zweites Mal getauft wurde. Sie wollte uns Kinder nur mal zeigen wie das mit der Taufe so abläuft, vergaß aber, dass sich noch Wasser in der Blumenvase befand. Die Lehrerin war halt schon etwas älter.

Ich erinnere mich an Zeugnisse, die heute bei den Eltern für Ohnmachtsanfälle sorgen würden. Ja, ich bin im 3. Schuljahr sitzen geblieben bzw. musste ich das 3. Jahr wiederholen weil die Lehrer so begeistert von mir waren, dass sie es nicht übers Herz brachten mich in die 4. Klasse zu entlassen. Aus mir ist trotzdem ein anständiger Mensch geworden, sagt man. Wenn auch die Mutti dem jetzt nicht unbedingt zustimmen würde.

Ich erinnere mich auch noch gut an den Tag, als wir feststellen mussten, dass ein Sparschwein einfacher zu knacken ist wie der Opferstock in der Kirche. Dank unserer schmalen Kinderhände kamen wir dennoch an die 5 DM ran. Heute ist der Opferstock gut gesichert. Der Pfarrer war in Ordnung, er hat uns nach der Beichte nur 10 Vaterunser abgeknöpft. Anschließend sollten wir in uns gehen, was aber erfolglos war.

Ich erinnere mich an die wilden Kirschbäume in der Schlucht, an die dicken süßen Früchte. Die "Schlucht", dass war ein kleiner, naturbelassener Taleinschnitt (Siepen). Unser Abenteuerspielplatz, der auch schon mal abbrennen konnte wenn wir mit dem Lagerfeuer nicht aufpassten. Einmal waren wir so übermütig, dass wir absichtlich Feuer legten. Die Feuerwehr war uns sehr dankbar für ihre Einsätze. Hatten die doch sonst nicht richtig viel Arbeit. Und was sind wir auf Bäume geklettert die nicht hoch genug sein konnten. Aus heutiger Sicht war das der absolute Wahnsinn. Fiel mal einer auf halber Höhe runter, hat er nur gegrinst und stieg wieder auf. Geheult hat keiner. So Weicheier wie heute gab es nicht. Jedenfalls nicht in unserem Freundeskreis.

Mädchen waren zu jener Zeit noch nicht wirklich ein Thema. Wir hatten es mehr mit Fußball. Einen Fußball aus echtem Leder. Der, wenn er nass wurde, dafür sorgen konnte, dass man sich die Zehen verstauchte. Nicht zu vergessen die Fußball-Sammelbilder, die jeder gleich Kartonweise sammelte und die man untereinander getauscht hat.

Ich erinnere mich an Winter, die noch richtige Winter waren. An dicke Schneedecken, die an der Oberfläche leicht schwarz vom Kohlenstaub der Zechen sind. An Kamine die gelben Rauch spuckten, und wenn der Wind den Rauch auf die Straßen drückte, konnten einem hin und wieder die Augen aus dem Kopf quellen. An Wäsche an den Leinen im Garten, die im Winter steif gefroren waren.

Ich erinnere mich an eine Zeit, als die Eltern nie wussten wo sich ihr Nachwuchs gerade aufhält. Wie zerrissen die Klamotten waren und ob die Kids unfallfrei durch den Tag kamen, darüber wurde überhaupt nicht diskutiert. Hauptsache die Kids tauchen am Abend wieder auf. Wenn auch nicht zu der Zeit, die abgemacht war.

Junge, es war eine herrliche Kinderzeit!

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