Der rote Pit Der rote Pit: Adiós mein treuer Freund

06.09.2017

Adiós mein treuer Freund

Ein Gastbeitrag von Mutti:

Vor ein paar Tagen gab mein Laptop seinen Geist auf. Der Bildschirm wurde plötzlich erst Blau, dann Schwarz. Langsam klappte der Deckel zu und mein über alles geliebter Lappi fiel ins Koma. Eine Neuinstallation mittels Wiederherstellungs-CD half nicht weiter. In meiner Verzweiflung nahm ich einen Hammer aus Männe seinen Werkzeugkasten und leitete damit eine Herzmassage ein.

Nach vier oder fünf Schläge auf die Tastatur wurde der Bildschirm kurz hell, zeigte nochmal das Windows Logo, dann ritt mein Laptop endgültig in den Sonnenuntergang. Ich schrie ihn an, »KOMM ZURÜCK VERDAMMT NOCHMAL. KOMM ZURÜCK BABY!« Hörte ich da nicht leise meinen Namen rufen? Ein Flüstern nur? Nein, es war wohl nur der Wind der durch das geöffnete Zimmerfenster drang und sich in meinen Haaren verfangen hatte. Ich mühte mich noch ca. zwei Stunden ab, aber der gab keinen Mucks mehr von sich.

Weinend baute ich die kaputte Festplatte aus, holte Handfeger und Kehrblech aus dem Abstellraum und fegte die traurigen Überreste zusammen. Mein Männe legte tröstend seinen Arm um meine Schulter, drückte sein Gesicht an meinen Hals und lachte so fürchterlich, dass ihm die Tränen der Trauer aus die Augen schossen und seine Beine leicht einknickten. Nachdem er sich wieder eingekriegt hatte, ging ich mit gesenkten Kopf und flachen Schritten zur Tonne für Sondermüll.

Adiós mein treuer Freund, der du mich über die vielen Jahre hinweg begleitest hast. Mein Weggefährte in all den langweiligen Stunden meines Hausfrauendaseins. Ich werde dich nie vergessen. Ich werde deine ausgestopfte Festplatte an die Wand über meinen Schreibtisch nageln. Ach, mein Herz ward so schwer und Wehmut überkam mich. Ich dachte an den Anfang unserer Beziehung zurück. An dem Tag als alles begann.

Weißt du noch?


Es war an einen Donnerstag im Mai 2007. In der Nähe von ALDI. Ein Radfahrer fuhr mir in die Seite und ich habe mich voll auf das Gesicht gelegt. Hab mich am Fenstersims einer Schaufensterscheibe wieder hoch gezogen, und da sah ich dich in all deiner Schönheit und nur eintausend Euro teuer. So ein richtiges Frauenlappy. Knallrot mit Schwarz abgesetzten Rand und bunte Blüten auf den Deckel. Ich hatte mich sofort in dich verliebt.

Eine Woche und ein paar Streicheleinheiten später (… Männer sind ja sowas von genügsam), konnte ich dich mein Eigen nennen. Und wie im Flug vergingen die nächsten Stunden bis zum ersten Absturz. Du Schelm konntest dich so schön lustig darüber machen, dass ich noch keine wirklichen Computerkenntnisse hatte. Aber ich habe dir gezeigt wie schnell ich hinzulernen konnte, was? Gut, nach fünf Abstürze und drei Systemwiederherstellungen wurde ich langsam sauer, aber ich bekam die Sache innerhalb von sechs Wochen ganz gut in den Griff und der Crashkurs in der Volkshochschule half mir auch über die Runden. Den Rest brachte mir Männe bei (… war das ein Heulen und Zähneknirschen. Ich war bald so weit mich Scheiden zu lassen). Naja mein Freund, so war das damals. Also bis dann mal. Vielleicht sieht man sich bei ALDI in Form einer Thermoskanne oder so etwas wieder.

Als ich in die Wohnung zurückkam legte mein Männe seine gesamten, an mir vorbeigeschmuggelten Ersparnisse auf den Tisch und sagte, »Kauf dir einen neuen Laptop.« Meine Traurigkeit war mit einem Schlag verschwunden und ich fiel ihm, unter anderem, auch um den Hals. Tz, komisch. Ich war überhaupt nicht böse wegen der unterschlagenden Euronen. Allerdings! Wie hat der Typ das bloß geschafft? Ich muss wohl in Zukunft noch mehr meine Augen offen halten.

Jetzt habe ich einen Neuen. Der sieht auch schick aus und ich hoffe, es entwickelt sich eine ähnlich gute Beziehung wie mit dem Alten.